Was dafür spricht, öffentliche Fördermittel zu nutzen?

In Deutschland existieren mehrere tausend Förderprogramme und für „Förderlaien“ ist es schwierig, hier die Übersicht zu behalten und die richtigen Maßnahmen für sich zu identifizieren. Wer dann feststellt, wie viele Anforderungen zu erfüllen sind und welcher formale Aufwand - der berühmt- berüchtigte „Papierkram“ - entsteht, um Fördermittel auch tatsächlich zu erhalten, mag sich die Frage stellen, ob das die Mühe wert ist. 

Aus meiner Sicht lautet die Antwort eindeutig ja. Aber was sind eigentlich die konkreten Vorteile öffentlicher Förderung? Darauf möchte ich im Folgenden näher eingehen. Es gibt zehn gute Gründe für Fördermittel. Daraus wird klar, warum ich dafür plädiere, Fördermittel zu nutzen. 

1. Ermöglichung von Finanzierungszugang

Viele Vorhaben könnten gar nicht realisiert werden, wenn es keine öffentliche Förderung gäbe. Das gilt vor allem für Existenzgründungen, bei denen Banken häufig das Risiko scheuen. Mit öffentlichen Förderprogrammen wird die Finanzierung in vielen Fällen erst möglich. Die Förderung schafft die Voraussetzung, um eine Geschäftsidee auch zu verwirklichen. 

2. Senkung von Finanzierungskosten 

Fördermittel sind in der Regel günstiger als Finanzierungs-Alternativen. Bei Förderdarlehen werden die vorteilhaften Refinanzierungskonditionen der Förderinstitute an die Förderadressaten weitergegeben. Dadurch wird das Förderdarlehen billiger als ein „normaler“ Bankkredit. Gelegentlich gibt es sogar Zins- und Tilgungszuschüsse. Im Zeitablauf kumulieren sich diese Vorteile. 

3. Liquiditätsentlastung 

Bei etlichen Förderdarlehen sind tilgungsfreie Anlaufjahre vorgesehen. In dieser Zeit fallen nur Zinszahlungen an, die Tilgung setzt erst später ein. Dadurch wird ein Unternehmen gerade in den Anfangsjahren einer Gründung oder Investition liquiditätsmäßig entlastet. Die Tilgungszahlungen können dann später aus dem Umsatzprozess finanziert werden. 

4. Geschenktes Geld 

Werden die Fördermittel als Zuschüsse gewährt, muss das Geld normalerweise nicht zurückgezahlt werden. Man spricht daher auch von „geschenktem Geld“. Zuschüsse senken den Finanzierungsbedarf und sorgen dafür, dass sich eine Investition besser und schneller rechnet. Es ist die attraktivste Form der Förderung, die leider fast immer knapp bemessen ist. 

5. Bessere Sicherheiten-Situation 

Manche Fördermaßnahmen unterstützen Unternehmen, die Probleme haben, genügend Sicherheiten für Finanzierungen zu stellen. Ein gängiges Instrument sind Bürgschaften, die von Bürgschaftsbanken als Ersatzsicherheiten zur Verfügung gestellt werden. Ein anderes ist die Haftungsfreistellung, die das Ausfallrisiko der finanzierenden Bank senkt und es dadurch möglich macht, weniger Sicherheiten als sonst üblich zu verlangen. 

6. Stabilere Finanzierung 

Die meisten Förderdarlehen sind mittel- bis langfristig ausgelegt. Das gilt auch für die Förderung über Beteiligungskapital. Wenn Geld länger zur Verfügung steht, wird die Finanzierung insgesamt auf eine stabilere Grundlage gestellt. Ersatzfinanzierungen werden weniger häufig benötigt und das Finanzierungsrisiko wird geringer. Vielfach verbessern sich auch die Bilanzrelationen. 

7. Stärkung des Eigenkapitals 

Manche Förderprogramme stocken auch das oft knappe Eigenkapital auf - zum einen durch „echte“ Beteiligungen, zum anderen durch sogenanntes Mezzanine-Kapital. Es wird bevorzugt in Form nachrangiger Darlehen gewährt. Mit solchen Maßnahmen wird die Haftungsbasis eines Unternehmens gestärkt. Das Insolvenzrisiko wird tendenziell geringer. Dadurch verbessern sich auch die Chancen, Kredite zu erhalten. 

8. Verbreiterung der Finanzierungsbasis 

Fördermittel schaffen oft die Voraussetzungen für weitere Finanzierungen von Banken. Wenn mit Förderfinanzierungen Bilanzstrukturen vorteilhafter gestaltet werden können, verbessert sich die Bonität eines Unternehmens. Das macht sich nicht nur positiv beim Finanzierungszugang, sondern auch bei den Finanzierungskonditionen bemerkbar. Sie erweitern damit die Finanzierungsspielräume und ermöglichen Festigung und Wachstum. 

9. Externe Beratung wird erschwinglich 

Viele Beratungen für mittelständische Unternehmen sind förderfähig - übrigens auch Fördermittelberatung. Über das Programm „Förderung unternehmerischen Know Hows“ werden dafür Zuschüsse gewährt. Dadurch wird benötigtes externes Know How deutlich günstiger und leichter zugänglich. 

10. Verbesserung der unternehmerischen Qualität 

Die Förderung hat auch einen indirekten positiven Effekt. Sie zwingt nämlich dazu, sich intensiv und konsequent mit der Unternehmenssituation und -zukunft auseinanderzusetzen. Beides ist ausführlich darzulegen, wenn es um die Fördermittel-Beantragung geht. Es handelt sich um mehr als eine lästige „Formalität“.