Förderdarlehen ohne Sicherheiten Wunschtraum oder Realität?

Die meisten Förderprogramme funktionieren über Förderdarlehen. Dabei handelt es sich um Bankkredite zu besonders günstigen Konditionen, die vom jeweils zuständigen Förderinstitut refinanziert werden. Im Rahmen meiner Beratungspraxis erlebe ich häufig, dass Existenzgründer - aber auch gestandene Unternehmer - oft unrealistische Erwartungen haben, was den Zugang zu solchen Darlehen betrifft. Eine dieser Wunschvorstellungen besteht darin, solche Kredite seien grundsätzlich ohne Sicherheiten erhältlich. 

Sicherheiten sind gerade in der Gründungsphase eines Unternehmens vielfach „Mangelware“. Viele Gründer sind noch jung und hatten zuvor kaum Gelegenheit, Vermögen zu bilden, das die Grundlage für Sicherheiten bildet. Von daher ist der Wunsch nach Förderdarlehen ohne Absicherung verständlich. Ist das möglich? Die Antwort darauf lautet - wie so oft im Leben: es kommt darauf an. 

Normal - das Darlehen ist banküblich zu besichern 

Wie eingangs gesagt, sind Förderdarlehen fast immer Bankdarlehen. Banken verlangen bei der Kreditvergabe üblicherweise Sicherheiten. Das gilt auch, wenn das Bankdarlehen aus einem Förderprogramm refinanziert wird. Die verantwortlichen Förderinstitute sehen das im Prinzip genauso und wollen eine ausreichende Absicherung. Schließlich besteht auch ihr Interesse darin, das Risiko möglichst gering zu halten und die vergebenen Fördermittel irgendwann wieder zu erhalten. „Das Darlehen ist banküblich zu besichern“ lautet daher eine gängige Anforderung in den Programmbedingungen. Wenn dies gilt, wird die Bank an die Sicherheiten keine anderen Maßstäbe anlegen als ein „normales“ Bankdarlehen. 

Ausnahmen bestätigen die Regel - die Haftungsfreistellung 

Keine Regel ohne Ausnahmen - das trifft auch in diesem Fall zu. Bei einigen - wenigen - darlehensbasierten Förderprogrammen gibt es das Instrument der sogenannten Haftungsfreistellung. Es bedeutet, dass das Förderinstitut die finanzierende Bank von der Rückzahlung der Fördermittel freistellt, wenn der Kreditnehmer (= Förderadressat) seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt und „ausfällt“. Die Bank wird dadurch bei dem Risiko, das sie tragen muss, entlastet und kann daher darauf verzichten, die sonst üblichen Sicherheiten zu fordern. Manchmal erfolgt die Haftungsfreistellung zu hundert Prozent, dann sind Kredite ganz ohne Sicherheiten möglich. Überwiegend liegt die Freistellung bei einem geringeren Prozentanteil, dann werden weniger Sicherheiten als sonst gefordert. Beispiele für solche Programme sind: 

  • das ERP-Kapital für Gründung: 100prozentige Haftungsfreistellung; 
  • der KfW-Unternehmerkredit: hier kann optional eine 50prozentige Haftungsfreistellung erfolgen;
  • der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit: hier ist optional eine 70prozentige Haftungsfreistellung möglich. 

Die Haftungsfreistellung entlastet Sie als Kreditnehmer nicht von der ordnungsgemäßen Bedienung des Darlehens. Sie sind uneingeschränkt weiter in der Pflicht. Die Entlastung kommt vielmehr Ihrer Bank zugute, die deswegen auf Sicherheiten verzichten kann. Sie profitieren indirekt. 

Bürgschaften über Bürgschaftsbanken 

Eine andere Möglichkeit, Förderdarlehen zu erhalten, auch wenn Sie keine ausreichenden Sicherheiten stellen können, sind Bürgschaften über Bürgschaftsbanken. Dabei handelt es sich um Selbsthilfeeinrichtungen der mittelständischen Wirtschaft, die es in jedem Bundesland gibt. Die Bürgschaft der Bürgschaftsbank füllt Ihre Sicherheiten-Lücke. Dafür müssen Sie eine Bürgschaftsprovision zahlen. Standardmäßig werden Bürgschaften bis zu 80 Prozent der notwendigen Kredite, maximal bis zu 1,25 Mio. Euro übernommen. Je nach Bürgschaftsprogramm und -bank gelten auch andere Grenzen. Um die Bürgschaft zu erhalten, müssen Sie ähnliche Kriterien erfüllen wie bei der Kreditvergabe. Wie das Verfahren funktioniert, sehen Sie beispielhaft in dem folgenden unterhaltsamen Kurzfilm der Bürgschaftsbank NRW.