Gibt es auch Förderprogramme für Betriebsmittel?

Die meisten Förderprogramme zielen auf die Finanzierung von Sachinvestitionen. In diesem Sinne wird die Errichtung von Gebäuden, die Anschaffung von Maschinen, Fahrzeugen oder anderen langlebigen Wirtschaftsgütern unterstützt, die dem Betrieb länger oder dauerhaft zur Verfügung stehen. In der Bilanz schlagen sich diese Investitionen vor allem im Anlagevermögen nieder. 

Ein Betrieb tätigt aber nicht nur Investitionen, die das Anlagevermögen betreffen. Auch die Beschaffung von Betriebsmitteln kostet Geld. Daher werde ich oft gefragt, ob es auch Fördermittel für Betriebsmittel gibt. Denn die üblichen Formen der Betriebsmittelfinanzierung - der Lieferantenkredit oder die Nutzung der Kontokorrentlinie - sind recht teuer und stoßen schnell an ihre Grenzen. 

Gerade wenn ein Unternehmen sich in der Aufbau- oder in der Wachstumsphase befindet, kann die Betriebsmittelfinanzierung zu einer echten Liquiditätsbelastung werden. Denn dem in diesen Phasen stark steigenden Betriebsmittelbedarf folgen die Umsätze in der Regel erst mit einer gewissen Zeitverzögerung. Zumindest in diesem zeitlichen „Gap“ sind andere (und günstigere) Lösungen gefragt. 

Was sind Betriebsmittel? 

Betriebsmittel werden in der Betriebswirtschaftslehre unterschiedlich definiert. In einem weiten Sinne werden darunter alle Güter verstanden, die in die Produktion einfließen. Wenn von Betriebsmittelfinanzierung die Rede ist, geht es aber vor allem um Güter, die der Sicherstellung des laufenden Betriebs dienen und die kurz- bis mittelfristig im Rahmen der betrieblichen Leistungserstellung verbraucht werden. In der Bilanz werden sie im Umlaufvermögen erfasst. Typischerweise handelt es sich dabei um Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Waren und Vorräte und gewährte Zahlungsziele. Über die Betriebsmittelfinanzierung werden aber auch Ausgaben des laufenden Geschäftsbetriebs dargestellt, denen keine bilanzierungsfähigen Güter gegenüberstehen - zum Beispiel Mieten, Personalkosten oder Kosten für Marketing-Aktionen. Normalerweise sollten Betriebsmittel aus dem laufenden Umsatzprozess finanziert werden. Nicht immer gelingt das. 

Die gute Nachricht es: es gibt durchaus Möglichkeiten, Fördermittel für Betriebsmittelfinanzierungen zu erhalten. Die Förderung ist aber im Vergleich zu Finanzierungen von Sachinvestitionen begrenzt und beschränkt sich auf eine überschaubare Anzahl an Programmen. Die Förderung erfolgt praktisch ausschließlich über Darlehen, nicht über Zuschüsse. Dem kurz- und mittelfristigen Charakter der Betriebsmittel entsprechend sind auch die entsprechenden Förderfinanzierungen zum Teil auf überschaubare Laufzeiten mit einer schnellen Tilgung ausgelegt. Es handelt sich also im wahrsten Sinne des Wortes um eine vorübergehende Finanzierungshilfe. 

Geförderte Betriebsmittelfinanzierungen im Überblick 

Auf Bundesebene gibt es keine speziellen „Betriebsmittelprogramme“. Geförderte Betriebsmittelfinanzierungen sind Bestandteile anderer Programme, die einen weiteren Förderzweck verfolgen. Sowohl Gründer als auch schon länger bestehende Unternehmen können solche Förderungen nutzen. Hier ein Überblick über die vier wichtigsten Maßnahmen, die auch Betriebsmittel-Komponenten enthalten. Dargestellt wird immer die Förderung, die für die Betriebsmittel-Variante gilt. 

Programm  Fördergegenstand Betriebsmittelfinanzierung Förderadressaten 
ERP-Gründerkredit Startgeld Betriebsmittel im Rahmen einer Existenzgründung  bis 30.000 Euro. Kredite mit 5 oder 10 Jahren Laufzeit. 80prozentige Haftungsfrei- stellung  Existenzgründungen, Übernahmen, Nachfolgen, junge Unternehmen innerhalb der ersten fünf Jahre 
ERP-Kapital für Gründung  Erstausstattung eines Material- und Warenlagers oder erste Messeteilnahme im Rahmen einer Existenzgründung  Kredite bis 500.000 Euro. Es werden aber nur maximal 30 % (ABL) bzw. 40 % (NBL) des Finanzierungsbedarfs abgedeckt. Eigenmittel erforderlich, nachrangige Darlehen mit 15 Jahren Laufzeit, 100prozentige Haftungsfreistellung  Existenzgründungen, Übernahmen, Nachfolgen, junge Unternehmen innerhalb der ersten drei Jahre 
ERP-Gründerkredit Universell  Betriebsmittel im Rahmen einer Existenzgründung  Kredite bis 25 Mio. Euro. Laufzeitvarianten 5, 10, 20 Jahre. Auf Wunsch 50prozentige Haftungsfreistellung möglich.  Existenzgründungen, Übernahmen, Nachfolgen, junge Unternehmen innerhalb der ersten fünf Jahre 
KfW-Unternehmerkredit  Betriebsmittel und Warenlager im Rahmen eines bestehenden Unternehmens  Kredite bis 25 Mio. Euro (5 Mio. Euro bei KMU mit optional 50prozentiger Haftungs-freistellung). Zweijährige endfällige Darlehen. Bei Warenlager auch 5 oder 10 Jahre Laufzeit mit Ratentilgung möglich.  Unternehmen (bis 500 Mio. Euro Umsatz), die seit mindestens fünf Jahren am Markt sind 

 

 Darüber hinaus gibt es auf Länderebene Programme, die für Betriebsmittelfinanzierungen einsetzbar oder sogar schwerpunktmäßig darauf ausgerichtet sind. Beispiele dafür sind der Liquiditätskredit der L-Bank in Baden-Württemberg, der Universalkredit der LfA Förderbank Bayern oder der Berlin Kredit der Investitionsbank Berlin. Mit guter Fördermittelberatung lassen sich die besten Möglichkeiten für öffentlich geförderte Betriebsmittelfinanzierung sicher und schnell identifizieren und zugänglich machen. 

KfW-Unternehmerkredit 

Betriebsmittel und Warenlager im Rahmen eines bestehenden Unternehmens