Unternehmensnachfolge im Mittelstand - oft geht es nur über den Verkauf

Nachfolge ist im Mittelstand ein großes Thema. In einer Mitte vergangenen Jahres veröffentlichten Untersuchung der KfW und von Creditreform wird von 620.000 anstehenden Übergaben alleine bis 2018 ausgegangen. Doch auch danach wird die Nachfolge-Problematik weiter bestehen. Dafür sorgt alleine schon der demografische Wandel.

620.000 KMU machen rund 17 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen aus. Demnach steht in jedem sechsten Betrieb die Übergabe an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger auf der Agenda. Unternehmensnachfolgen sind ein komplexer Prozess, der Jahre der Vorbereitung und Umsetzung erfordert. Nicht wenige Betriebe sind schon wegen fehlender oder fehlerhafter Nachfolgeregelungen „untergegangen“.

Nachfolge in der Familie - ein Generationen-Problem  

Eine besondere Herausforderung im Mittelstand ist, dass in vielen Fällen ein Nachfolger erst einmal gefunden werden muss. Das klassische Modell „vom Vater auf den Sohn“ funktioniert heute immer seltener, auch wenn inzwischen vielfach Töchter in die Bresche springen. Übergaben in der eigenen Familie werden zwar nach wie vor favorisiert, doch oft fehlt es den „Sprösslingen“ am Interesse oder der Qualifikation oder beidem. Auch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung macht sich bemerkbar.

Die Babyboomer-Generation der 1960er Jahre steht in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten vor dem Eintritt in den Ruhestand. Der Nachwuchs wird dagegen immer weniger. Im Jahr 2000 kamen auf einen Bundesbürger zwischen 55 und 70 2,6 Jüngere zwischen 20 und 54, heute sind es noch 2,4 - im Jahre 2030 werden es nur noch 1,8 sein. Nachfolge in der eigenen Familie scheitert immer öfter schlicht daran, dass niemand für die Übernahme dieser Aufgabe vorhanden ist.

Der Verkauf: oft die einzige Lösung, zumindest eine Option  

Die Lösung besteht daher vielfach im Unternehmensverkauf. Zwar steht die Familiennachfolge immer noch ganz oben auf der Wunschliste von Betriebsinhabern. Das ergab eine Befragung im Rahmen der Untersuchung. Doch für immerhin 18 Prozent der Befragten ist der Verkauf die alleinige Option. Und von den 43 Prozent Antworten, die sich mehrere Nachfolgelösungen vorstellen konnten, gab fast die Hälfte (48 Prozent) an, auch einen externen Käufer als Nachfolger in Betracht zu ziehen.

Auf der anderen Seite tun sich Existenzgründer mit Gründungen durch Übernahme offensichtlich schwer. Nach KfW-Angaben sind rund drei Viertel aller Existenzgründungen Neugründungen. Nur acht Prozent finden durch Übernahmen statt. 17 Prozent sind „halbe Übernahmen“ durch Beteiligungen. Es ist also offensichtlich nicht so einfach, Verkäufer und Kaufinteressenten zusammen zu bringen.  

Fehlendes Geld und unterschiedliche Vorstellungen

Ein wichtiger Grund, warum Gründer bei Übernahmen zurückhaltend sind, ist (fehlendes) Geld. Eine Neugründung erfordert in der Regel deutlich weniger Startkapital als eine Übernahme - gerade dann, wenn sie erst einmal als Nebenerwerbsgründung realisiert wird. Bei der Übernahme soll dagegen auch der sogenannte Goodwill - ein vorhandener Kundenstamm, eine etablierte Marktposition, eine existierende Infrastruktur - mitbezahlt werden, nicht nur der Kauf von Gebäuden, Maschinen oder Fahrzeugen. Das macht Unternehmenskäufe per se „teurer“ als eine Neugründung. Dafür kann man auch sofort loslegen und muss die Firma nicht erst aufbauen und in Markerschließung und Kundengewinnung investieren.

Hinzu kommt, dass zwischen den Kaufpreisvorstellungen von Verkäufer und Käufer oft Welten liegen. Verkäufer neigen aus verständlichen Gründen dazu, ihren Firmenwert zu überschätzen, umgekehrt sieht es bei Kaufinteressenten aus. An den unterschiedlichen Vorstellungen scheitert oft der Verkauf. Die Ermittlung des „richtigen“ Unternehmenswertes als Basis für realistische Kaufpreisverhandlungen ist daher eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Unternehmenstransaktionen tatsächlich gelingen.  

Öffentliche Fördermittel - auch für Unternehmenstransaktionen

Unternehmensverkäufe bedürfen einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung. Es sind über den Kaufpreis eine Vielzahl an Fragen zu klären – zum Beispiel die Art der Übergabe, die rechtliche und steuerliche Gestaltung, die Einarbeitung des Nachfolgers, die künftige Ausrichtung des Betriebs und vieles mehr. Ein wichtiger Punkt ist dabei naturgemäß die Finanzierung des Unternehmenskaufs. Hier kommen öffentliche Fördermittel ins Spiel. Denn viele Programme können auch im Rahmen von Übernahmen eingesetzt werden.

Wegen der Bedeutung von Unternehmensverkäufen und Nachfolgen für den Mittelstand möchte ich in meinen nächsten Blog-Beiträgen näher auf dieses Thema eingehen. Ich werde dabei einzelne wichtige Aspekte vertiefen. Sie erfahren dabei auch, wie ich Ihnen beim Prozess des Unternehmensverkaufs und der Übergabe helfen kann und welche Fördermittel für die Finanzierung eingesetzt werden können.