Knackpunkt Eigenkapital so helfen Fördermittel

Ich erlebe immer wieder, dass Eigenkapital ein entscheidender Engpass ist, wenn es um die Finanzierung eines Gründungsvorhabens geht. Nach Feststellung des KfW-Gründungsmonitors 2016 gab es im vergangenen Jahr bei 16 Prozent der Existenzgründungen Finanzierungsschwierigkeiten, bei jeder achten Gründung waren fehlende Eigenmittel ein Problem. Dabei sind die Vorhaben nicht berücksichtigt, die erst gar nicht angegangen werden, weil kein oder nicht genug Eigenkapital vorhanden gewesen ist. Auch dürfte es eine erhebliche Dunkelziffer bei Kreditablehnungen geben, die statistisch nicht erfasst ist. Nach meiner Erfahrung werden rund drei Viertel der Kreditanträge von Gründern abgelehnt - allerdings nicht nur wegen fehlenden Eigenkapitals. Dennoch gilt: Ohne (ausreichend) Eigenkapital kein Kredit - das müssen Gründer immer wieder feststellen.

Aber auch Unternehmen, die schon länger am Markt sind, können Eigenkapitalprobleme haben. Das ist keineswegs nur dann der Fall, wenn Verluste die vorhandenen Eigenmittel aufzehren. In Phasen starken Wachstums wird das Eigenkapital nicht selten zur „Bremse“, weil es nicht in gleichem Maße mitwächst, wie der Rest des Unternehmens.

Fünf Gründe, warum Eigenkapital nötig ist 

Warum ist Eigenkapital so wichtig? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  • Eigenkapital steht einem Unternehmen überwiegend unbefristet zur Verfügung. Es muss - im Gegensatz zu Krediten – nicht zurückgezahlt werden.
  • Für Eigenkapital bestehen - ebenfalls im Unterschied zu Darlehen - keine Zinsverpflichtungen. Erwirtschaftet das Unternehmen Gewinne, werden sie entweder dem Eigenkapital gutgeschrieben oder es finden Ausschüttungen/Entnahmen statt. Verluste reduzieren das Eigenkapital, während die Ansprüche von Kreditgebern unberührt bleiben.
  • Mit der Einbringung eigener Mittel signalisiert der Gründer bzw. Unternehmer anderen Kapitalgebern, dass er hinter seiner Geschäftsidee bzw. seinem Geschäftsmodell steht. Das schafft Vertrauen.
  • Je mehr Eigenkapital vorhanden ist, umso geringer ist aus Kreditgebersicht das Ausfallrisiko für gewährte Darlehen. Die Eigenkapitalbasis beeinflusst daher die Kreditwürdigkeit positiv.
  • Aber auch aus Eigentümersicht macht Eigenkapital das unternehmerische Risiko geringer. Es verbessert die Fähigkeit, „Durststrecken“ durchzustehen und wirkt sich – wegen der fehlenden Zahlungsverpflichtungen – positiv auf die Liquidität aus.  

Eigenkapitalförderung - oft über Mezzanine Kapital

Aber woher Eigenmittel nehmen? Diese Frage stellen sich gerade Existenzgründer, die oft noch jünger sind und nicht viel Gelegenheit hatten, größere Rücklagen oder privates Vermögen aufzubauen. Eine Antwort liefen öffentliche Förderprogramme. Es gibt einige Programme, die besonders darauf ausgerichtet sind, die Eigenkapitalbasis von Existenzgründungen und Unternehmen im Mittelstand zu stärken. Zum Teil werden eigenkapitalähnliche Finanzierungen – sogenanntes Mezzanine Kapital - zur Verfügung gestellt, zum Teil geht es um „echte“ Unternehmensbeteiligungen.  

Der Begriff Mezzanine-Kapital

Bei Mezzanine-Kapital (italienisch "Mezzanino"= Zwischengeschoss) handelt es sich allgemein um hybride Finanzierungsformen, die sowohl Elemente von Fremdkapital als auch von Eigenkapital aufweisen. Die typischen Ausgestaltungsformen von Mezzanine-Finanzierungen sind Nachrangdarlehen, Gesellschafterdarlehen, Stille Beteiligungen (typisch oder atypisch), Genussscheine und Wandel-/Optionsanleihen

Quelle: IWW Institut für Wissen in der Wirtschaft

Förderprogramme im Überblick  

Hier ein Überblick über mögliche Fördermaßnahmen:

  • ERP Kapital für Gründung: ist ein Förderprogramm der KfW. Es stellt Nachrangdarlehen für Existenzgründer und Jungunternehmer überwiegend zur Finanzierung von Sachinvestitionen zur Verfügung.
  • ERP Beteiligungsprogramm: dieses ebenfalls von der KfW durchgeführte Programm bietet eine indirekte Förderung. Das Programm refinanziert Kapitalbeteiligungsgesellschaften, wenn sie sich an mittelständischen Unternehmen beteiligen. Dadurch wird es für kleine und mittlere Unternehmen einfacher, Beteiligungskapital von außen zu erhalten.
  • ERP-Mezzanine für Innovation: ist ein Kombi-Programm der KfW, das innovativen Unternehmen ein Paket aus einem normalen Darlehen und einem Nachrangdarlehen zur Finanzierung von Investitionen und FuE-Aufwendungen bereitstellt.
  • Mittelständische Beteiligungsgesellschaften: sind Selbsthilfeeinrichtungen der mittelständischen Wirtschaft, die mit den Bürgschaftsbanken verbunden sind und in jedem Bundesland existieren. Sie stellen in der Regel stille Beteiligungen zur Verfügung. Der Fokus der Beteiligungsfinanzierung liegt auf bestehenden Unternehmen, es werden aber auch Existenzgründer gefördert.
  • Mikromezzaninefonds Deutschland: ist eine Fördermaßnahme, die sich an kleine Existenzgründungen und Jungunternehmen mit wenig Eigenkapital richtet. Das Programm bietet stille Beteiligungen über die zuvor erwähnten Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften.  

Diese Auflistung ist nicht abschließend. Weitere Maßnahmen auf Bundesebene sind der INVEST - Zuschuss für Wagniskapital oder der High Tech-Gründerfonds. Daneben gibt es Programme auf Länderebene. An dieser Stelle können die Maßnahmen nur angerissen werden.

Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, wie öffentliche Fördermittel Ihre Eigenkapitalbasis stärken können, helfe ich Ihnen gerne weiter. Ich stehe Ihnen auch bei der Beantragung mit Rat und Tat zur Seite.