Digitalisierung im Mittelstand was bedeutet das für den Kreditzugang?

Die Digitalisierung wird zweifelsohne den Mittelstand verändern. Sie betrifft grundsätzlich alle Unternehmensbereiche, nicht nur die Produktion. Vielen Unternehmensinhabern ist das bewusst, dennoch fehlt es vielfach an einer digitalen Strategie und den nötigen Ressourcen. Wie sehr das Wissen für die Notwendigkeiten und die Möglichkeiten auseinanderklaffen, zeigt die im vergangenen Jahr durchgeführte Studie „Transformationswerk Report 2016“, in der über 1.000 Teilnehmer aus Mittelstand und Großunternehmen befragt wurden. Danach gibt es in fast der Hälfte der Unternehmen bislang keine Strategie für den digitalen Wandel. 

Wissen und geeignetes Personal werden dabei am relevantesten für eine erfolgreiche Digitalisierung eingeschätzt. Als größte Engpässe gelten das Know How und die nötige Zeit für die Transformation. Dies zeigt folgende Grafik, in der auch noch andere in der Studie ermittelte relevanten Faktoren und Zusatzbedarfe aufgeführt werden.  

 

Geld wird dabei erstaunlicherweise nicht an erster Stelle genannt, wenn es um die größten Dringlichkeiten und Relevanzen geht. Dies mag daran liegen, dass es in anderen Bereichen noch stärker „brennt“. Denn ganz sicher erfordert die Digitalisierung auch jede Menge Investitionen. Und die kosten nun einmal Geld. Auf die Möglichkeiten der Finanzierung von digitalen Projekten mit Fördermitteln bin ich bereits in meinem letzten Blog-Beitrag eingegangen.  

Eine andere Frage, die sich stellt, ist die nach den Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Kreditwürdigkeit. Kann ein Unternehmen mit einer digitalen Strategie sich damit auch bonitätsmäßig besser stellen als ein Unternehmen, das den digitalen Wandel „verschläft“? Das hängt natürlich maßgeblich vom Erfolg ab und lässt sich in der Regel erst im Nachhinein beurteilen. Inwieweit fließt das Thema Digitalisierung aber auch in die laufende Beurteilung der Kreditwürdigkeit ein, zum Beispiel im Rahmen des Kreditrating?  

Digitale Strategien im Kreditrating 

Die Antwort darauf ist nicht so eindeutig und hängt letztlich von der Beurteilungs-Methodik der einzelnen Bank, ja sogar des einzelnen verantwortlichen Bankmitarbeiters ab. In den gängigen Kreditrating-Schemata der Kreditinstitute gibt es keinen eigenen Bewertungspunkt „digitale Strategie“. Hier werden üblicherweise „Hard Facts“ - zahlenbasierte Informationen aus Jahresabschlüssen und Rechnungswesen - und „Soft Facts“ - qualitative Einschätzungen zur Unternehmenslage und -entwicklung - bewertet. Die angewandten Kreditrating-Verfahren unterscheiden sich von Bank und zu Bank, es bestehen aber erhebliche „Schnittmengen“.  

 

Bei den Hard Facts handelt es sich überwiegend um eine Bewertung der Vergangenheit. Denn Bilanz- und Rechnungswesen bilden zurückliegende Geschäftstätigkeit ab. Hier würde sich eine digitale Strategie dann niederschlagen, wenn sie bereits umgesetzt wurde und sich in konkreten Geschäftsergebnissen gezeigt hat. Das dürfte im Mittelstand eher die Ausnahme als die Regel sein. Bleiben also die Softfacts. Hier ist die Beurteilung eher zukunftsorientiert. Das bietet auch Raum, digitale Strategien in die Bewertung einzubeziehen, zum Beispiel:  

  • bei der Beurteilung des Managements und der Strategie;
  • bei der Bewertung der „künftigen“ Marktstellung;
  • oder bei der Einschätzung der Unternehmensplanung, zum Beispiel bei der Einbeziehung der Digitalisierung in die Planung  

Das Rating bietet also durchaus Ansatzpunkte, Auswirkungen der Digitalisierung zu berücksichtigen. Dabei dürfte es dem Bankmitarbeiter zwar schwer fallen, die Richtigkeit und die Erfolgsaussichten einer digitalen Strategie einzuschätzen. Es lässt sich aber zumindest beurteilen, ob das Thema für die Unternehmensleitung eine Rolle spielt und mehr aktiv angegangen oder passiv hingenommen wird. Insofern kann digitales Handeln die Kreditwürdigkeit durchaus beeinflussen. Im Zeitablauf dürfte sich dies immer deutlicher zeigen und auch auswirken.  

Digitale Start-ups - ein Wagnis  

Digitale Geschäftsmodelle haben es dagegen nach wie vor schwer bei Banken. Die bieten zwar unter Umständen große Chancen, aber auch entsprechende Risiken. Schon manches digitale Start-up erlebte nur eine kurze Existenz. Die Ausfallraten sind überdurchschnittlich hoch. Das lässt Kreditinstitute, die sich schon bei der Beurteilung der Geschäftsmodelle schwer tun, zaudern. Hier ist das klassische Feld von Seed Capital- und Wagnisfinanzierung.