Der Gründungszuschuss Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit

Wer arbeitslos ist, für den kann die Selbständigkeit eine Möglichkeit sein, um sich wieder eine finanzielle Existenz aufzubauen. Zwar machen angesichts der guten Beschäftigungslage derzeit nur relativ wenige Arbeitslose davon Gebrauch (viele finden wieder ein Festanstellung), immerhin erfolgt immer noch fast jede zehnte Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit, vor zehn Jahren war es noch jede fünfte. 

Die Bundesagentur für Arbeit fördert solche Vorhaben mit dem Gründungszuschuss. Es handelt sich um eine der am häufigsten genutzten Zuschüsse im Zusammenhang mit Existenzgründungen. Im Rahmen meiner Reihe zur Zuschussförderung bei Gründungsvorhaben möchte ich Ihnen den Gründungszuschuss näher vorstellen. Er richtet sich primär an Bezieher von Arbeitslosengeld I (ALG I). 

Der Gründungszuschuss wurde 2006 eingeführt und hat das frühere Überbrückungsgeld und den Existenzgründungszuschuss bei den sogenannten Ich-AG’s abgelöst. 2011 wurde das Förderkonzept grundlegend reformiert, zum Teil auch eingeschränkt. Seither wird die Zuschussgewährung deutlich restriktiver gehandhabt. So besteht kein Rechtsanspruch mehr auf den Zuschuss, sondern es handelt sich auch hier - wie bei Zuschüssen üblich - um eine Ermessensentscheidung, die in diesem Fall die Arbeitsagentur trifft. 

Für Lebensunterhalt und soziale Absicherung 

Der Gründungszuschuss ist in erster Linie dazu gedacht, den Lebensunterhalt und die soziale Absicherung in der nicht immer einfachen Anfangsphase der Existenzgründung zu gewährleisten. In dieser Zeit werden oft noch wenig Einnahmen aus der Selbständigkeit erzielt, dafür fallen viele Anlaufinvestitionen an. 

Die Bezuschussung erfolgt über einen Zeitraum von bis zu 15 Monaten. In den ersten sechs Monaten entspricht der Zuschuss dem letzten ALG I, zusätzlich werden 300 Euro monatlich zur sozialen Absicherung gezahlt. In der zweiten Phase, die bis zu neun Monate dauern kann, erhält der Gründer nur noch die 300 Euro im Monat. Auch das ist eine Ermessensentscheidung, es besteht kein Rechtsanspruch auf die Verlängerung der Förderung. De facto geht der Gesetzgeber davon aus, dass sich die Selbständigkeit bereits nach einem halben Jahr finanziell weitgehend trägt - ein hehrer Anspruch! Das ALG I entspricht ungefähr 60 Prozent des letzten Nettoeinkommens vor der Arbeitslosigkeit. 

Ein Beispiel für die Höhe der Förderung 

Wenn Sie zum Beispiel 50 Euro ALG I am Tag erhalten, würde der Gründungszuschuss bei voller Förderung im ersten halben Jahr 1.800 Euro im Monat (30 x 50 Euro + 300 Euro) und danach neun Monate lang je 300 Euro betragen. 

Insgesamt kämen dann 13.500 Euro an Zuschüssen (6 x 1.800 Euro + 9 x 300 Euro Pauschale) zusammen. Mein Tipp: hier finden Sie ein einfach handhabbares Rechentool, um die Höhe Ihres Gründungszuschusses selbst zu berechnen: 

Gründungszuschuss

Diese Voraussetzungen müssen Sie erfüllen 

Um überhaupt den Zuschuss erhalten zu können, müssen Sie eine Reihe an Anforderungen erfüllen. Hier die wichtigsten im Überblick: 

  • Es muss vorher nachgewiesenermaßen Arbeitslosigkeit bestehen, Gründungen aus einem laufenden Arbeitsverhältnis werden nicht gefördert;
  • Sie müssen noch Anspruch auf ALG I über mindestens 150 Tage haben. Ist der Anspruchszeitraum kürzer, gibt es ebenfalls keine Förderung;
  • Die Selbständigkeit muss auf Haupterwerb angelegt sein. 
  • Sie müssen die persönliche und fachliche Eignung zur Existenzgründung nachweisen, zum Beispiel durch Zeugnisse, erworbene Abschlüsse und Qualifikationen, nachgewiesene Berufserfahrung oder Teilnahme an Existenzgründungs-Seminaren;
  • Sie müssen ein tragfähiges Konzept (Business Plan) vorlegen, das von einer unabhängigen und fachkundigen Stelle positiv beurteilt wird. 

Wie gesagt, das ist alles notwendig, um den Gründungszuschuss zu erhalten. Garantiert ist das – wegen des Ermessensspielraums - trotzdem nicht. Von daher empfiehlt es sich auf jeden Fall, die Chancen der Bezuschussung vorab mit der Arbeitsagentur zu klären. Einen guten Überblick über alle Fragen im Zusammenhang mit dem Gründungszuschuss finden Sie hier

Einstiegsgeld bei ALG II-Bezug 

Übrigens: für Bezieher von Arbeitslosengeld II (umgangssprachlich Hartz IV) gibt es das Einstiegsgeld, das auch als Starthilfe für eine hauptberufliche Selbständigkeit gezahlt wird. Hierfür gelten eigene Fördervoraussetzungen und -regeln. Zum Beispiel kann das Einstiegsgeld bis zu 24 Monate gezahlt werden. Mehr Infos dazu bietet der Internet-Auftritt der Arbeitsagentur

Ein Zuschuss zum Leben, nicht zum Investieren 

Als Fazit bleibt festzuhalten: der Gründungszuschuss bietet für eine kurze Zeit eine finanzielle Existenzsicherung für Gründer aus der Arbeitslosigkeit - nicht mehr und nicht weniger. Investitionen im Zusammenhang mit einer Gründung können damit nicht finanziert werden. Dafür benötigen Sie andere Fördermittel.