Existenzgründer setzen auf Zuschüsse oft vergeblich

In meiner Tätigkeit als Fördermittelberater erlebe ich immer wieder, dass gerade Gründer oft unrealistische Vorstellungen haben, wenn es um Fördermittel geht. Wer an seine Geschäftsidee glaubt, kann gar nicht verstehen, warum die eigene Begeisterung für ein Gründungsvorhaben von Banken, Förderinstituten und -stellen nicht in gleicher Weise geteilt wird. Der Glaube an die Förderwürdigkeit stößt sich häufig an der Realität. 

Ein verbreiteter Irrtum in diesem Zusammenhang ist, Förderung müsse vor allem aus Zuschüssen bestehen. Dabei ist es sicher verständlich, wenn Gründer auf Zuschüsse setzen. Es handelt sich schließlich um „geschenktes Geld“ - zumindest im Regelfall. Bestimmungsgemäße und zielführende Verwendung vorausgesetzt, müssen Zuschüsse nicht zurückgezahlt werden. Das Geld verbleibt im Betrieb. Förderkredite sind dagegen mit Zins- und Tilgungsraten zu bedienen. Das erhaltene Geld steht nur befristet zur Verfügung. Von daher überrascht es nicht, wenn Zuschüsse gegenüber Darlehen vorgezogen werden. 

Fördermittel sind meistens Darlehen 

Tatsächlich verhält es sich so: Fördermittel gibt es sehr viel häufiger und sehr viel umfangreicher in Form von Darlehen als in Form von Zuschüssen - auch bei Existenzgründungen. Eine Gründung nur mit Zuschüssen zu finanzieren - das ist in den seltensten Fällen möglich. Die Erklärung für die öffentliche „Knausrigkeit“ bei Zuschussförderung ist einfach. Sie kostet Fördermittelgeber wesentlich mehr als die Förderung über Darlehen. Mittel, die einmal als Zuschuss gewährt wurden, sind „weg“. Bei Förderdarlehen fließt das Geld im Normalfall dagegen wieder zurück und kann erneut vergeben werden. So können auf diesem Weg wesentlich mehr Förderadressaten bedient werden als mit Zuschüssen. Die Interessenlage von Fördermitteladressaten und -gebern in diesem Punkt ist diametral entgegengesetzt. 

Kein Rechtsanspruch auf Zuschüsse 

Noch eine andere irrtümliche Erwartungshaltung ist häufig anzutreffen: wenn ein Zuschussprogramm vorhanden ist und die Voraussetzungen im Allgemeinen erfüllt sind, bestehe ein (einklagbarer) Rechtsanspruch auf den Zuschuss. Dem ist nicht so! Gerade bei Zuschussprogrammen gilt: die Förderung ist eine Ermessensentscheidung. „Ermessen“ bedeutet, der Entscheidungsträger hat auch bei Vorliegen aller Voraussetzungen für eine Förderung noch einen Spielraum, um über „Ja“ oder „Nein“ zu entscheiden. Dabei können neben der Förderwürdigkeit auch noch andere Kriterien und Gründe relevant für die Förderentscheidung sein - zum Beispiel die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel, Förderziele, Verteilungsgesichtspunkte und manches mehr. Das Ermessen findet seine Grenzen nur dort, wo Willkür im Spiel ist. 

Auf dem Teppich bleiben 

In diesem Sinne gilt: die Erfüllung der Voraussetzungen und Bedingungen ist zwar notwendig, um Zuschussförderung zu erhalten, aber nicht unbedingt ausreichend. Ablehnungen können Gründe haben, die mit dem Vorhaben oder der Person des Gründers unmittelbar nichts zu tun haben. Von daher empfehle ich Gründern immer, die Erwartungen an Zuschussförderung nicht zu hoch zu schrauben und „auf dem Teppich“ zu bleiben. Das hilft, Enttäuschungen zu vermeiden. 

Um Ihnen ein realistisches Bild zu vermitteln, möchte Ich Ihnen in meinen nächsten Blog-Beiträgen einen kurzen Überblick geben, mit welchen Zuschüssen Sie als Gründer rechnen können. Auch worauf Sie bei der Beantragung achten müssen, stelle ich Ihnen kurz vor.